Martin Sellner gehört zu den bekanntesten und einflussreichsten Akteuren der extremen Rechten im deutschsprachigen Raum. Der Österreicher wurde als Mitgründer und langjähriges Gesicht der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ) bekannt. Inzwischen tritt er vor allem als Autor, Aktivist, Redner und politischer Netzwerker auf. Im Mittelpunkt seiner Aktivitäten steht seit einigen Jahren insbesondere das Schlagwort „Remigration“.
2026 ist Martin Sellner 37 Jahre alt. Obwohl er sich 2023 aus der ersten Reihe der formalen Führung der Identitären Bewegung zurückzog, bezeichnet ihn das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz weiterhin als Leitfigur der deutschsprachigen Identitären Bewegung. Auch der österreichische Verfassungsschutz beschreibt ihn als zentralen Akteur im identitären beziehungsweise neurechten Spektrum.
Besonders stark rückte Sellner durch das Potsdamer Treffen vom November 2023 in die öffentliche Aufmerksamkeit. Dort stellte er sein Konzept der „Remigration“ vor. Später beschäftigten sich mehrere deutsche Gerichte mit den darin enthaltenen Vorstellungen. Das Bundesverwaltungsgericht stellte 2025 fest, dass Sellners Konzept hinsichtlich deutscher Staatsangehöriger mit Migrationshintergrund das egalitäre Verständnis der Staatsangehörigkeit missachte und insoweit menschenwürdewidrig sei.
Auch 2026 bleibt Sellner politisch präsent. Treffen mit AfD-Politikern, ein internationaler „Remigration Summit“ in Portugal und neue juristische Auseinandersetzungen sorgen weiterhin für Schlagzeilen.
Martin Sellner im Steckbrief
| Merkmal | Information |
| Name | Martin Michael Sellner |
| Geburtsdatum | 8. Januar 1989 |
| Alter 2026 | 37 Jahre |
| Geburtsort | Wien, Österreich |
| Nationalität | Österreichisch |
| Beruf | Politischer Aktivist, Autor, Online-Publizist |
| Bekannt durch | Identitäre Bewegung, „Remigration“ |
| Ausbildung | Bachelorabschluss in Philosophie |
| Ehefrau | Brittany Sellner, geb. Pettibone |
| Verheiratet seit | 2019 |
| Kinder | Ein Sohn |
| Politische Partei | Keine bekannte Parteimitgliedschaft |
| Politische Einordnung | Rechtsextremer bzw. neurechter Aktivist |
| Aktuell 2026 | Internationale Vernetzung rund um „Remigration“ |
Wer ist Martin Sellner?
Martin Sellner wurde am 8. Januar 1989 in Wien geboren und wuchs in Baden bei Wien auf. Er studierte später Philosophie und Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Sein Studium der Philosophie schloss er mit einem Bachelor ab, während er das Studium der Rechtswissenschaften nicht beendete.
Bereits als Jugendlicher bewegte sich Sellner im österreichischen Neonazi-Milieu. 2006 brachte der damals 17-Jährige gemeinsam mit einem anderen Jugendlichen unter anderem Hakenkreuz-Aufkleber an der Synagoge in Baden an. Das Verfahren endete mit einer Diversion und ohne strafrechtliche Verurteilung. Sellner musste rund 100 Stunden gemeinnützige Arbeit auf dem jüdischen Friedhof leisten. Später bezeichnete er seine damaligen Kontakte zur Neonazi-Szene selbst als „Jugendsünde“.
Entscheidend für seine weitere politische Laufbahn wurde schließlich die Gründung der Identitären Bewegung Österreich.
Martin Sellner und die Identitäre Bewegung
2012 gehörte Sellner gemeinsam mit Patrick Lenart zu den Gründern der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ). Die Organisation orientierte sich stark an ähnlichen Gruppierungen aus Frankreich und setzte von Beginn an auf öffentlichkeitswirksame Aktionen, soziale Medien und eine moderne visuelle Inszenierung.
Sellner entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zum bekanntesten Gesicht der Bewegung.
Die Identitäre Bewegung vertritt das Konzept des sogenannten Ethnopluralismus. Dabei wird die Vorstellung propagiert, dass unterschiedliche ethnisch beziehungsweise kulturell definierte Gruppen möglichst getrennt in ihren jeweiligen Herkunftsräumen leben sollten. Der deutsche Verfassungsschutz sieht darin eine Vorstellung, die Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft unterschiedlich behandelt und mit dem Gleichheits- und Menschenwürdeprinzip des Grundgesetzes kollidiert.
Anfang 2023 zog sich Sellner formal aus der ersten Reihe der österreichischen Identitären Bewegung zurück. Politisch bedeutete dies jedoch keineswegs seinen Rückzug. Vielmehr konzentrierte er sich stärker auf Bücher, Vorträge, soziale Netzwerke und internationale Vernetzung. Der deutsche Verfassungsschutz bezeichnet ihn weiterhin als „Leitfigur der deutschsprachigen Identitären Bewegung“.
Was bedeutet „Remigration“ bei Martin Sellner?
Kaum ein Begriff wird heute so stark mit Martin Sellner verbunden wie „Remigration“.
Allgemein kann Remigration zunächst die Rückkehr von Migranten in ihr Herkunftsland bezeichnen. Sellners politisches Konzept geht jedoch wesentlich weiter.
Er unterscheidet verschiedene Gruppen, darunter Menschen ohne Aufenthaltsrecht, Ausländer mit legalem Aufenthaltsstatus und deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund, die nach seinen Vorstellungen nicht ausreichend „assimiliert“ seien.
Genau dieser letzte Punkt ist verfassungsrechtlich entscheidend.
Das Bundesverwaltungsgericht untersuchte Sellners Konzept im Zusammenhang mit dem Verfahren um das Magazin „Compact“. In seinem Urteil vom 24. Juni 2025 stellte das Gericht fest, dass das Konzept nicht jeden deutschen Staatsbürger als gleichberechtigtes Mitglied der staatlichen Gemeinschaft anerkenne. Menschen mit Migrationshintergrund würden abhängig von Kriterien wie Herkunft, Abstammung oder Religion rechtlich abgewertet. Das Gericht bezeichnete diesen Teil des Konzeptes deshalb als menschenwürdewidrig.
Auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof verwies im Juni 2026 ausdrücklich auf diese Rechtsprechung und bestätigte, dass Sellners Konzept insoweit nicht mit dem durch die Menschenwürde geschützten egalitären Verständnis der Staatsangehörigkeit vereinbar sei.
Sellner selbst weist die Darstellung zurück, sein Konzept bedeute eine rechtswidrige zwangsweise Vertreibung sämtlicher Menschen mit ausländischen Wurzeln, und präsentiert seine Vorschläge als langfristiges politisches Projekt. Die gerichtliche Bewertung bestimmter zentraler Bestandteile seines Konzeptes fällt jedoch eindeutig kritisch aus.
Martin Sellner und das Treffen in Potsdam
Zum internationalen Politikum wurde Sellners Konzept durch ein Treffen am 25. November 2023 in Potsdam.
Anwesend waren unter anderem Personen aus dem rechtsextremen und neurechten Umfeld, Unternehmer sowie einzelne Politiker beziehungsweise Funktionäre der AfD und weitere politisch aktive Personen. Sellner stellte dort Überlegungen zur praktischen Umsetzung seines „Remigrations“-Konzeptes vor. Auch der Verfassungsschutzbericht des Bundes erwähnt dieses Treffen ausdrücklich.
Am 10. Januar 2024 veröffentlichte das Recherchezentrum Correctiv seinen Bericht über die Veranstaltung. Daraufhin entwickelte sich eine bundesweite politische Debatte. In zahlreichen deutschen Städten demonstrierten anschließend Hunderttausende Menschen gegen Rechtsextremismus.
Seitdem beschäftigen verschiedene Gerichtsverfahren einzelne Aussagen und journalistische Formulierungen rund um die Berichterstattung über Potsdam.
Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Die Gerichte urteilen teilweise unterschiedlich darüber, welche journalistischen Zuspitzungen zulässig sind. Dass Sellner beim Treffen über ein „Remigrations“-Konzept sprach, das auch sogenannte „nicht assimilierte Staatsbürger“ einbezieht, ist davon zu unterscheiden. Das Bundesverwaltungsgericht befasste sich später unabhängig von diesen presserechtlichen Streitigkeiten ausführlich mit seinem öffentlich vertretenen Konzept.
Martin Sellner und die AfD: Welche Verbindung gibt es?
Martin Sellner ist kein AfD-Politiker und besitzt kein bekanntes Amt innerhalb der Partei. Dennoch bestehen seit Jahren Kontakte zu einzelnen AfD-Mitgliedern und Funktionären.
Diese Verbindung sorgte Anfang 2026 erneut für erhebliche Diskussionen.
Im Januar traf Sellner unter anderem AfD-Politiker in Brandenburg und wurde anschließend von Abgeordneten im Thüringer Landtag in Erfurt empfangen. Dort spielte ebenfalls das Thema „Remigration“ eine Rolle.
Die AfD-Bundesspitze reagierte darauf im Februar. Der Bundesvorstand forderte Landes-, Bezirks- und Kreisverbände sowie Mitglieder dazu auf, keine Parteiveranstaltungen mit Sellner durchzuführen. Ein vollständiges Kontaktverbot bedeutete dies allerdings nicht. So wurden beispielsweise Treffen nicht generell ausgeschlossen, bei denen AfD-Politiker lediglich als Gäste auftreten.
Innerhalb der Partei blieb der Umgang mit Sellner umstritten.
Besonders deutlich wurde das wenige Monate später.
Martin Sellner 2026: „Remigration Summit“ in Portugal
Am 30. Mai 2026 fand im portugiesischen Figueira da Foz die zweite Ausgabe des sogenannten Remigration Summit statt.
Martin Sellner gehörte zum Organisationskomitee. Mehr als 500 Teilnehmer aus Europa und Nordamerika sollen an der Veranstaltung teilgenommen haben. Unter ihnen befanden sich Aktivisten sowie Vertreter verschiedener rechter Parteien.
Auch mehrere AfD-Politiker reisten zu der Veranstaltung. Besonders bemerkenswert war die Anwesenheit des damaligen AfD-Bundesvorstandsmitglieds Kay Gottschalk, obwohl die Parteispitze erst wenige Monate zuvor dazu aufgerufen hatte, Parteiveranstaltungen gemeinsam mit Sellner zu vermeiden.
Sellner warb dort außerdem für ein geplantes „Institut für Remigration“, das nach eigenen Angaben politische Vernetzung, Kampagnen und Beratung zum Thema organisieren soll.
Damit zeigt sich 2026 deutlich, dass Sellner seine Aktivitäten zunehmend international ausrichtet.
Einreiseverbot für Martin Sellner in Deutschland
Nach Bekanntwerden des Potsdamer Treffens versuchte die Stadt Potsdam, Sellners Freizügigkeitsrecht innerhalb Deutschlands einzuschränken.
Im März 2024 wurde gegen den österreichischen EU-Bürger ein bundesweites Einreiseverbot ausgesprochen. Sellner ging dagegen juristisch vor.
Das Verwaltungsgericht Potsdam gab seinem Eilantrag im Mai 2024 statt. Nach Ansicht des Gerichts hatte die Stadt eine konkrete Gefährdung der öffentlichen Ordnung beziehungsweise Sicherheit nicht ausreichend belegt. Das Einreiseverbot durfte deshalb zunächst nicht vollzogen werden.
Auch spätere lokale Aufenthaltsverbote führten zu Gerichtsverfahren.
Die Gemeinde Neulingen in Baden-Württemberg hatte Sellner beispielsweise im August 2024 untersagt, für eine geplante Lesung in das Gemeindegebiet zu kommen. Im März 2026 stellte das Verwaltungsgericht Karlsruhe fest, dass dieses Aufenthaltsverbot rechtswidrig gewesen war. Das Gericht sah die konkret angenommene Gefahr von Straftaten als nicht ausreichend belegt an.
Die Entscheidungen zeigen zugleich einen wichtigen Unterschied: Eine gerichtliche Bewertung von Sellners politischen Vorstellungen als menschenwürdewidrig bedeutet nicht automatisch, dass Behörden jeden einzelnen Vortrag oder Aufenthalt ohne zusätzliche Voraussetzungen verbieten dürfen.
Einreiseverbote in anderen Ländern
Deutschland ist nicht das einzige Land, in dem Sellners Reisen bereits Gegenstand behördlicher Maßnahmen waren.
2018 wurde ihm die Einreise nach Großbritannien verweigert. Später erhielt er auch keine Einreisegenehmigung für die USA.
In der Schweiz wurde Sellner im März 2024 von der Polizei aus dem Kanton Aargau weggewiesen, nachdem er dort bei einer Veranstaltung auftreten wollte. Später verhängten die Schweizer Behörden zeitweise ein Einreiseverbot. Bei einem erneuten Versuch, in die Schweiz einzureisen, wurde er im Oktober 2024 an der Grenze gestoppt.
Einreise- und Aufenthaltsverbote beruhen jedoch jeweils auf unterschiedlichen nationalen Rechtsgrundlagen. Außerdem wurden einzelne Maßnahmen anschließend erfolgreich von Sellner vor Gericht angefochten.
Christchurch-Spende: Was geschah damals?
2019 sorgte eine weitere Verbindung international für Schlagzeilen.
Der spätere rechtsextreme Attentäter von Christchurch, der im März 2019 bei Angriffen auf zwei Moscheen 51 Menschen ermordete, hatte Sellner bereits 2018 rund 1.500 Euro gespendet.
Ermittlungsakten zeigten außerdem einen kurzen E-Mail-Austausch zwischen Sellner und dem späteren Täter. Einen Beleg dafür, dass beide sich persönlich getroffen hatten, fanden Ermittler nicht.
Österreichische Behörden leiteten Ermittlungen ein, unter anderem wegen des Verdachts der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung. Dieses Verfahren wurde schließlich 2020 beziehungsweise Anfang 2021 endgültig eingestellt. Auch weitere Ermittlungen wegen Betrugs und Untreue im Zusammenhang mit Spenden wurden 2021 eingestellt.
Daher wäre es falsch, aus der Spende eine strafrechtlich festgestellte Beteiligung Sellners an dem Attentat abzuleiten.
Wer ist die Frau von Martin Sellner?
Die Frau von Martin Sellner heißt Brittany Sellner, geborene Brittany Pettibone.
Sie stammt aus den USA und wurde selbst als politische Online-Aktivistin und Influencerin im amerikanischen rechten beziehungsweise Alt-Right-Milieu bekannt.
Martin Sellner und Brittany Pettibone heirateten im August 2019 in Österreich. Eigentlich hatte das Paar zunächst eine Hochzeit in den USA geplant, doch Sellners Schwierigkeiten bei der Einreise verhinderten dies.
Auch Brittany Sellner trat über Jahre politisch in sozialen Medien auf. Das Paar hat einen Sohn, der 2021 geboren wurde.
Privates und politische Selbstdarstellung überschneiden sich bei beiden teilweise. Wissenschaftliche Untersuchungen über rechte Influencer haben beispielsweise analysiert, wie Familienleben, Beziehung und politische Botschaften in deren Online-Kommunikation miteinander verbunden werden.
Martin Sellner und die FPÖ
Neben seinen Kontakten zur AfD besitzt Sellner seit Jahren Verbindungen in das österreichische rechte Parteienspektrum.
Im Juli 2026 veröffentlichte Der Standard Recherchen auf Grundlage älterer Ermittlungsakten und interner Kommunikation. Demnach gab es bereits in den Jahren 2018 und 2019 direkte Kontakte zwischen Akteuren der Identitären Bewegung und Personen bis hinein in höhere Ebenen der FPÖ.
Die FPÖ ist dabei nicht mit der Identitären Bewegung gleichzusetzen. Allerdings sorgen personelle Kontakte und gemeinsame Veranstaltungen seit Jahren für politische Diskussionen in Österreich.
Sellner versucht grundsätzlich, seine Rolle eher außerhalb klassischer Parteien zu positionieren. Seine Strategie besteht darin, politische Begriffe und Ideen über Aktivismus, Medien, Bücher und gesellschaftliche Debatten zu verbreiten und damit langfristig Einfluss auf Parteien zu nehmen.
Neue Anzeige gegen Martin Sellner im Juli 2026
Ende Juli 2026 kam eine weitere juristische Auseinandersetzung hinzu.
Nach einem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin veröffentlichte Sellner auf X eine Fotomontage, die den mutmaßlichen Täter in der Gestaltung eines Wahlplakats der Grünen zeigte.
Die Grünen erstatteten daraufhin Anzeige gegen Sellner. Die Partei warf ihm vor, ein gefälschtes Wahlplakat zur politischen Stimmungsmache zu verwenden.
Wichtig ist dabei: Eine Anzeige ist noch keine Verurteilung. Ob die Veröffentlichung strafrechtliche Konsequenzen haben wird, war zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht entschieden.
Welche Bücher hat Martin Sellner geschrieben?
Neben seinem politischen Aktivismus veröffentlicht Sellner Bücher und längere politische Texte.
Zu seinen bekannteren Veröffentlichungen gehören unter anderem:
- „Regime Change von rechts“ (2023)
- „Remigration: Ein Vorschlag“ (2024)
- weitere Publikationen und Beiträge über Bevölkerungspolitik, Migration und Strategien der Neuen Rechten
Seine Bücher erscheinen überwiegend in Verlagen beziehungsweise Medienumfeldern der Neuen Rechten.
Gerade diese publizistische Arbeit ist für Sellners Strategie wichtig. Statt sich ausschließlich auf Demonstrationen oder klassische Parteipolitik zu konzentrieren, versucht er, Begriffe und politische Konzepte zunächst in rechten Netzwerken zu etablieren und anschließend in breitere gesellschaftliche Debatten zu tragen.
Warum ist Martin Sellner so umstritten?
Die Kontroversen um Martin Sellner lassen sich nicht auf einen einzelnen Vorfall reduzieren.
Sie reichen von seiner Vergangenheit im Neonazi-Milieu über die Identitäre Bewegung und das Narrativ vom sogenannten „Großen Austausch“ bis zu seinem heutigen Konzept der „Remigration“.
Besonders relevant ist inzwischen die juristische Bewertung: Das Bundesverwaltungsgericht hat nicht lediglich allgemein über Migration oder eine strengere Abschiebungspolitik gesprochen. Es untersuchte ausdrücklich Sellners konkretes Konzept und kam zu dem Ergebnis, dass die darin vorgesehene unterschiedliche Behandlung deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund mit dem Menschenwürdeprinzip unvereinbar ist.
Gleichzeitig zeigen erfolgreiche Klagen Sellners gegen einzelne Aufenthaltsbeschränkungen, dass Behörden für konkrete Verbote jeweils die gesetzlichen Voraussetzungen nachweisen müssen.
Genau diese Kombination aus politischem Extremismus, öffentlicher Provokation, juristischen Auseinandersetzungen und professioneller Online-Kommunikation erklärt einen großen Teil seiner öffentlichen Bekanntheit.
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FAQ zu Martin Sellner
Martin Sellner wurde am 8. Januar 1989 geboren und ist 2026 37 Jahre alt.
Martin Sellner wurde in Wien geboren und wuchs in Baden bei Wien in Niederösterreich auf. Er besitzt die österreichische Staatsangehörigkeit.
Die Ehefrau von Martin Sellner ist Brittany Sellner, geborene Pettibone. Die US-Amerikanerin wurde als politische Influencerin bekannt. Das Paar heiratete 2019 und hat einen Sohn.
Ja. Martin und Brittany Sellner haben einen Sohn, der 2021 geboren wurde.
Nein. Martin Sellner ist kein AfD-Politiker und hat kein bekanntes Parteiamt innerhalb der AfD. Er besitzt allerdings Kontakte zu verschiedenen AfD-Politikern. Die AfD-Bundesspitze forderte ihre Mitglieder im Februar 2026 dazu auf, keine Parteiveranstaltungen mit ihm durchzuführen.
Sellner zog sich 2023 aus der formalen ersten Reihe der Identitären Bewegung Österreich zurück. Er bleibt jedoch politisch aktiv. Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz bezeichnet ihn weiterhin als Leitfigur der Identitären Bewegung im deutschsprachigen Raum.
Sellners Konzept umfasst nicht nur Personen ohne Aufenthaltsrecht, sondern auch Ausländer mit legalem Aufenthalt und bestimmte deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund, die er als nicht ausreichend „assimiliert“ betrachtet. Das Bundesverwaltungsgericht bewertete diesen Teil seines Konzeptes als menschenwürdewidrig.
Ein 2024 von der Stadt Potsdam veranlasstes bundesweites Einreiseverbot wurde nach einem Eilantrag Sellners gerichtlich außer Vollzug gesetzt. Seitdem ist Sellner wiederholt in Deutschland aufgetreten. Auch gegen einzelne lokale Aufenthaltsverbote war er teilweise erfolgreich.
Am 25. November 2023 nahm Sellner an einem Treffen in Potsdam teil, an dem unter anderem Personen aus dem neurechten Umfeld, Unternehmer sowie einzelne AfD- und weitere politisch aktive Personen beteiligt waren. Sellner stellte dort sein Konzept zur „Remigration“ vor. Die Veröffentlichung einer Correctiv-Recherche über das Treffen löste Anfang 2024 eine bundesweite politische Debatte aus.
2026 tritt Sellner weiterhin als Autor, Redner und Aktivist auf. Im Mai gehörte er zu den Organisatoren des Remigration Summit in Portugal. Zudem arbeitet er am Aufbau eines „Instituts für Remigration“. Kontakte zu Politikern von AfD und FPÖ sowie verschiedene juristische Auseinandersetzungen sorgen weiterhin für öffentliche Aufmerksamkeit.
Fazit: Martin Sellner bleibt auch 2026 ein wichtiger Akteur der Neuen Rechten
Martin Sellner hat sich vom jungen Aktivisten und Mitgründer der Identitären Bewegung zu einem international vernetzten Akteur der extremen Rechten entwickelt. Der heute 37-Jährige besitzt zwar weder ein parlamentarisches Mandat noch ein offizielles Amt in einer großen Partei, dennoch wirken seine Begriffe und politischen Konzepte inzwischen weit über die Identitäre Bewegung hinaus.
Im Zentrum steht dabei seine Vorstellung von „Remigration“. Gerade der Umgang mit deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund innerhalb dieses Konzeptes wurde vom Bundesverwaltungsgericht als menschenwürdewidrig bewertet.
2026 zeigt zugleich, dass Sellner seine politische Arbeit weiter ausbaut. Auftritte mit AfD-Politikern, der internationale Remigration Summit in Portugal, Pläne für ein eigenes Institut und Debatten um seine Kontakte zur FPÖ halten ihn im öffentlichen Fokus.
Damit ist Martin Sellner weniger ein klassischer Parteipolitiker als ein politischer Aktivist und Ideologieproduzent, dessen Ziel darin besteht, Themen und Begriffe aus dem neurechten beziehungsweise rechtsextremen Milieu in breitere politische Debatten hineinzutragen.

