Ein Schlaganfall im Auge zeigt sich oft durch einen plötzlichen, schmerzlosen Sehverlust auf einem Auge. Manche Betroffene sehen innerhalb von Sekunden nur noch einen Schatten, einen dunklen Fleck oder wie durch einen Vorhang. Auch wenn sich die Sicht nach kurzer Zeit wieder bessert, gilt: Nicht abwarten, sondern sofort den Notruf 112 wählen. Hinter dem Symptom kann ein Gefäßverschluss der Netzhaut stecken. Außerdem kann es vor einem Schlaganfall im Gehirn warnen.
Schlaganfall im Auge im Überblick
| Frage | Kurzantwort |
| Was bedeutet „Schlaganfall im Auge“? | Meist ist ein plötzlicher Verschluss einer Netzhautarterie gemeint. Der medizinische Begriff lautet retinaler Arterienverschluss. |
| Leitsymptom | Plötzliche, meist schmerzlose Sehverschlechterung oder Erblindung auf einem Auge |
| Ist das ein Notfall? | Ja. Bei akutem Sehverlust sofort 112 rufen. |
| Kann sich das Sehen erholen? | Das ist möglich, aber nicht sicher. Ausmaß und Dauer der Durchblutungsstörung spielen eine wichtige Rolle. |
| Wer ist besonders gefährdet? | Unter anderem Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes, erhöhten Blutfetten, Gefäßverkalkung, Herzrhythmusstörungen oder Nikotinkonsum |
| Welche Ärzte sind beteiligt? | Augenheilkunde, Neurologie beziehungsweise Stroke Unit und häufig Innere Medizin oder Kardiologie |
Was ist ein Schlaganfall im Auge?
Der Ausdruck Schlaganfall im Auge wird im Alltag meist für eine akute Durchblutungsstörung der Netzhaut verwendet. Verschließt ein Blutgerinnsel die Zentralarterie der Netzhaut, sprechen Fachleute von einem Zentralarterienverschluss. Betrifft der Verschluss nur einen Seitenast, heißt er Arterienastverschluss.
Die Netzhaut wandelt Lichtreize in Nervensignale um. Sie braucht daher ständig Sauerstoff. Wird die Blutversorgung unterbrochen, können ihre empfindlichen Zellen schnell Schaden nehmen. Die AWMF-Leitlinie zu retinalen arteriellen Verschlüssen behandelt deshalb Diagnose und Akutversorgung dieser Erkrankung. Auch die American Heart Association ordnet den Zentralarterienverschluss als Form eines akuten ischämischen Schlaganfalls ein und betont die notwendige Notfallabklärung (AHA-Fachstatement).
Arterienverschluss und Venenverschluss sind nicht dasselbe
Im Internet werden beide Erkrankungen teilweise als „Augeninfarkt“ bezeichnet. Medizinisch muss man jedoch unterscheiden:
- Retinaler Arterienverschluss: Blut gelangt nicht ausreichend zur Netzhaut. Typisch ist ein sehr plötzlich einsetzender, oft starker und schmerzloser Sehverlust.
- Retinaler Venenverschluss: Blut kann aus der Netzhaut nicht richtig abfließen. Dadurch entstehen Blutungen und Flüssigkeitseinlagerungen. Die Sehverschlechterung kann ebenfalls plötzlich und schmerzlos auftreten, die Behandlung ist jedoch eine andere.
Welche Form vorliegt, lässt sich zu Hause nicht sicher feststellen. Deshalb gehört jede neue, plötzlich auftretende Sehstörung umgehend ärztlich abgeklärt.
Welche Symptome verursacht ein Schlaganfall im Auge?
Ein Schlaganfall im Auge betrifft meistens nur ein Auge und verursacht üblicherweise keine Schmerzen. Mögliche Warnzeichen sind:
- plötzlich stark verschwommenes Sehen
- ein dunkler Fleck oder Schatten im Gesichtsfeld
- ein seitlicher Gesichtsfeldausfall
- das Gefühl, ein Vorhang oder Schleier schiebe sich vor das Auge
- plötzliches Erkennen nur noch von Hell und Dunkel
- vollständiger Sehverlust auf einem Auge
Mitunter verschwindet die Sehstörung nach Sekunden oder Minuten wieder. Eine solche vorübergehende einseitige Blindheit wird Amaurosis fugax genannt. Sie darf nicht als Entwarnung gelten, denn sie kann auf eine kurzfristige Durchblutungsstörung und ein erhöhtes Schlaganfallrisiko hinweisen.
Treten gleichzeitig ein hängender Mundwinkel, Sprachprobleme, einseitige Schwäche, Taubheit, starker Schwindel oder ungewöhnlich heftige Kopfschmerzen auf, besteht zusätzlich der Verdacht auf einen Schlaganfall im Gehirn. Doch auch ein isolierter plötzlicher Sehverlust reicht aus, um den Rettungsdienst zu alarmieren.
Was tun bei Verdacht auf einen Schlaganfall im Auge?
Bei einem akuten Sehverlust zählt jede Minute. Betroffene und Angehörige sollten:
- Sofort 112 anrufen und den plötzlichen Sehverlust schildern.
- Den genauen Beginn notieren, also die Uhrzeit, zu der die Sehstörung erstmals auftrat oder die Person zuletzt normal sehen konnte.
- Nicht selbst Auto fahren. Der Rettungsdienst kann eine geeignete Klinik ansteuern.
- Keine Medikamente auf eigene Faust einnehmen. Insbesondere Aspirin ist keine sichere Selbstbehandlung, weil zunächst auch andere Ursachen ausgeschlossen werden müssen.
- Nicht auf eine spontane Besserung warten. Selbst vorübergehende Beschwerden benötigen eine dringende Abklärung.
Augenmassage, Drucksenkung oder andere früher häufig eingesetzte Sofortmaßnahmen haben keinen zuverlässig belegten Nutzen für alle Betroffenen. Sie sollten deshalb keinesfalls eigenständig durchgeführt werden.
Ursachen und Risikofaktoren
Häufig blockiert ein eingeschwemmtes Gerinnsel oder Ablagerungsmaterial ein Netzhautgefäß. Der Ursprung kann beispielsweise in der Halsschlagader oder im Herzen liegen. Daher prüfen Ärzte nicht nur das Auge, sondern suchen auch nach einer Gefäß- oder Herzerkrankung.
Zu den wichtigen Risikofaktoren zählen:
- Bluthochdruck
- Diabetes mellitus
- erhöhte Cholesterinwerte
- Arteriosklerose und Verengungen der Halsschlagader
- Vorhofflimmern und andere Herzerkrankungen
- Rauchen
- höheres Lebensalter
- frühere TIA oder Schlaganfälle
Bei Menschen über 50 Jahren müssen neue Kopfschmerzen, Schmerzen beim Kauen, empfindliche Schläfen, Fieber oder Gewichtsverlust zusätzlich an eine Riesenzellarteriitis denken lassen. Diese Gefäßentzündung kann das zweite Auge bedrohen und verlangt eine sofortige Behandlung.
Wie wird ein Schlaganfall im Auge diagnostiziert?
Zunächst untersucht die Augenärztin oder der Augenarzt Sehschärfe, Pupillen, Gesichtsfeld und Augenhintergrund. Häufig kommen die optische Kohärenztomografie, Netzhautfotografie oder eine Gefäßdarstellung zum Einsatz.
Weil ein retinaler Arterienverschluss auf eine Erkrankung des gesamten Gefäßsystems hinweisen kann, folgt meist eine rasche Schlaganfallabklärung. Dazu können gehören:
- neurologische Untersuchung
- Bildgebung von Gehirn und Gefäßen
- Ultraschall der Halsgefäße
- EKG und Überwachung des Herzrhythmus
- Blutdruckmessung
- Bluttests, etwa zu Blutzucker, Blutfetten und Entzündungswerten
Diese Untersuchungen dienen nicht nur dem Auge. Sie sollen auch die Ursache finden und einen weiteren Gefäßverschluss im Auge, Gehirn oder Herzen verhindern.
Behandlung beim Schlaganfall im Auge
Die Therapie richtet sich nach Ursache, Art des Verschlusses und Zeit seit Symptombeginn. Für den retinalen Arterienverschluss gibt es bislang keine einzelne Augenbehandlung, die das Sehvermögen in jedem Fall zuverlässig wiederherstellt. In spezialisierten Zentren kann bei sorgfältig ausgewählten Patientinnen und Patienten eine gefäßöffnende Behandlung geprüft werden. Ob sie infrage kommt, entscheidet ausschließlich das Notfallteam nach Untersuchung und Ausschluss von Gegenanzeigen.
Daneben steht die Vorbeugung weiterer Ereignisse im Mittelpunkt. Je nach Befund behandeln Ärzte beispielsweise Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfette, Vorhofflimmern oder eine Verengung der Halsschlagader. Bei einer Riesenzellarteriitis werden unverzüglich hoch dosierte Kortikosteroide eingesetzt, um vor allem das andere Auge zu schützen.
Ein retinaler Venenverschluss wird anders versorgt. Wenn Flüssigkeit die Netzhautmitte anschwellen lässt, können unter anderem Medikamenteninjektionen ins Auge sinnvoll sein. Genau deshalb ist eine fachärztliche Diagnose entscheidend.
Prognose: Kann sich das Auge wieder erholen?
Die Prognose hängt davon ab, welches Gefäß betroffen ist, wie vollständig es verschlossen wurde und wie lange die Netzhaut unterversorgt war. Bei einem Zentralarterienverschluss bleiben leider häufig deutliche Seheinbußen zurück. Bei einem kleineren Arterienastverschluss kann ein begrenzter Gesichtsfeldausfall bestehen bleiben, während die zentrale Sehschärfe teilweise erhalten ist.
Eine frühe Vorstellung in der Notaufnahme garantiert zwar keine vollständige Heilung. Sie eröffnet jedoch mögliche Behandlungsoptionen und ermöglicht eine schnelle Suche nach gefährlichen Ursachen. Außerdem können Sehrehabilitation, vergrößernde Sehhilfen und Alltagstraining helfen, mit bleibenden Einschränkungen besser umzugehen.
Lässt sich einem Schlaganfall im Auge vorbeugen?
Nicht jeder Gefäßverschluss ist vermeidbar. Das persönliche Risiko lässt sich jedoch oft senken:
- Blutdruck regelmäßig kontrollieren und behandeln lassen
- Blutzucker und Cholesterin im Zielbereich halten
- nicht rauchen
- sich regelmäßig bewegen
- ausgewogen essen
- verordnete Medikamente zuverlässig einnehmen
- Herzrhythmusstörungen ärztlich abklären lassen
- Kontrolltermine beim Hausarzt und in der Augenheilkunde wahrnehmen
Wer bereits einen retinalen Gefäßverschluss hatte, sollte die empfohlene internistische oder neurologische Ursachenabklärung konsequent abschließen.
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Häufige Fragen zum Schlaganfall im Auge
Nein. Ein retinaler Arterienverschluss verursacht typischerweise einen plötzlichen, aber schmerzlosen Sehverlust. Schmerzen schließen andere akute Augenerkrankungen jedoch nicht aus. Jede plötzlich auftretende Sehverschlechterung ist dringend abzuklären.
Meist ist nur ein Auge betroffen. Sehstörungen auf beiden Augen oder der Ausfall einer Gesichtsfeldhälfte können auch auf eine Störung im Gehirn hinweisen und sind ebenfalls ein Notfall.
Ja. Eine vorübergehende einseitige Erblindung kann sich vollständig zurückbilden. Trotzdem kann sie ein Warnsignal für eine Gefäßverengung oder ein Gerinnsel sein. Betroffene sollten sofort medizinische Hilfe rufen.
Nein. Auch eine Netzhautablösung, Blutung, Migräne oder andere Augenerkrankungen können Sehphänomene verursachen. Ohne Untersuchung lässt sich die Ursache nicht sicher unterscheiden. Ein plötzlich neu auftretender dunkler Schatten oder Vorhang muss deshalb umgehend abgeklärt werden.
Die Akutversorgung erfolgt idealerweise interdisziplinär: Augenärzte bestätigen den Netzhautbefund, während Neurologie beziehungsweise Stroke Unit und weitere Fachrichtungen nach der Gefäßursache suchen und die Vorbeugung planen.
Nein. Bei plötzlich vermindertem Sehen darf man nicht bis zur regulären Sprechstunde warten. Rufen Sie 112, denn das Zeitfenster für mögliche Maßnahmen ist begrenzt.
Fazit
Ein Schlaganfall im Auge macht sich meist durch eine plötzliche, schmerzlose Sehverschlechterung auf einem Auge bemerkbar. Häufig steckt ein retinaler Arterienverschluss dahinter. Das Ereignis bedroht nicht nur das Sehvermögen, sondern kann auch auf ein erhöhtes Risiko für weitere Gefäßverschlüsse hinweisen. Daher gilt bei einem schwarzen Vorhang, einem neuen Gesichtsfeldausfall oder plötzlichem Sehverlust: sofort 112 rufen – auch wenn sich die Sicht wieder bessert.

